Ursprünglich war das Retortenofenhaus eine langgezogene 283,3 Meter lange und 61,7 Meter breite Halle, in der 30 Öfen standen. (Ausbaubar auf 60 Öfen) Chrakteristisch für die Halle waren die Rauchfänge der einzelnen Ofenbatterien entlang des Daches. Später wurde bei der Modernisierung des Gaswerks das Retortenofenhaus durch einen Kammerofen ersetzt.
Entgasung der Kohle
Die zermahlene Kohle wird in die Retorten der Kammeröfen befördert. Früher schaufelten Arbeiter die Kohle - im 20. Jahrhundert erledigten dies Förderbänder.
Im Kammerofen wird die Kohle auf 1200 °C erhizt und der eigentliche Prozess der Gasgewinnung beginnt. Die Stoffe der Kohle werden zerlegt.
Kammerofen 1960
Abbildung 3: Längsschnitt des Schilling-Buntescher Gaserzeungungsofens
Diese Retorten werden von unten durch den Generator G mittels Koks- und Gas- oder Teerbefeuerung auf 1200 °C erhitzt. Hierbei wurde der im Gaswerk produzierte Koks bzw. der Teer verwendet. Der Koks wurde einfach von oben in den Generator geschaufelt, während Teer fein zerstäubt in den Generator durch Düsen eingespritzt wurde.
Abbildung 4: Ansicht und Querschnitt des Schlling-Buntescher Gaserzeugungsofens
Der Retortenofen im Detail
Innerhalb des Retortenofenhauses befinden sich ein Gaserzeugungsofen neben dem anderen in einer Reihe aufgestellt. Hier wird anhand eines Schilling-Buntescher Gaserzeugungsofen das Prinzip erklärt.
Der Schilling-Buntescher Gaserzeugungsofen
Der Ofen reicht über mehrere Geschoße und wird auf jeder Ebene mit unterschiedlichen Funktionen bedient. Das Hauptelement des Ofens sind die Retorten (in Abbildung 2 und Abbildung 3 "O" sowie im Detail Abbildung 4) In die Retorten wird die zerkleinerte Kohle gefüllt. In die rund 2-3 Meter tiefe Retorte passen jeweils 100 bis 200 kg Steinkohle, die von drei Arbeitern mit eigenen Lademaschinen befüllt wurden. Neuere Retorten werden auch zur besseren Befüllung mit einer 30° Schiefe gebaut und können deshalb auch bis zu 4 Meter lang sein.
Abbildung 2: Retorten
Um 100 kg Kohle zu entgasen, benötigte man rund 25-30 kg Koks zur Befeuerung. Hierbei wird das Heizgas über ein labyrinthartiges System geleitet, um vorgewärmt zu werden. In der Retorte entweichen die Gase der Kohle unter Einwirkung der Hitze und werden über senkrechte Rohrleitungen am Ende der Retorten gefasst und anschließend zur Kühlung weitergeleitet. Oben auf dem Ofen befindet sich ein hydraulischer Verschluß, der einerseits Ammoniak und Teer vom frischen Gas auslöste und andererseits wie ein Siphon das Rückströmen das Gases in geöffnete Retorten verhinderte.
Die entgaste Kohle, die nun zu Koks geworden ist wird aus den Retorten ausgestoßen. Eine Kohlenbefüllung benötigte rund 4 bis 6 Stunden zur Entgasung in der Retorte.
Innerhalb so eines Ofens konnten 900 kg Kohle in 24 Stunden zu 252 m³ Gas und 567 kg Koks verarbeitet werden.