Der Teleskop-Gasbehälter ist die älteste Form des Gasbehälters
mit großem Fassungsvermögen. Sein Arbeitsprinzip beruht darauf,
daß ein unten offener und oben geschlossener zylindrischer Behälter
- die Glocke - in einem Wasserbassin, das so tief wie der Behälter
hoch ist, ganz eintauchen kann und sich entsprechend der zugeführten
oder abgegebenen Gasmenge entweder aus dem Wasserbassin heben oder wieder
darin senken kann. Der Behälter wird hierbei an einem senkrechten
Führungsgerüst über Rollen auf- und abwärts geleitet
und ist durch das Wasser, in dem er vom zugeführten Gas getragen,
schwimmt, abgedichtet. Bei einer einfachen Glockenkonstruktion ist das
Fassungsvermögen des Gasbehälters durch die Tiefe und den Durchmesser
des Wasserbassins begrenzt, da sie die maximale Höhe und die maximale
Grundfläche des gasfassenden Zylinders festlegen.
Durch den konstruktiven Kunstgriff, die Außenwand der Glocke wie
das Rohr eines Teleskops (Fernrohr) in mehrere ineinander- und auseinanderschiebbare,
miteinander verhakte, zylindrische Segmente zu zerlegen, deren Einzelhöhen
jeweils die Tiefe des Wasserbassins nicht überschreitet, wurde es
möglich die Gesamthöhe des Gasbehälters und damit sein Fassungsvermögen
wesentlich zu vergrößern, ohne das aufwendige Wasserbassin entsprechend
vertiefen zu müssen.
Wird ein Teleskop-Gasbehälter gefüllt, heben sich durch den
Auftrieb des Gases zunächst die Glucke und danach die Segmente der
Außenwand eines nach dem anderen aus dem Wasser heraus. Wird er geleert,
versinken alle Teile nacheinander im Wasserbassin, so daß nur das
leere Führungsgerüst sichtbar bleibt.
Teleskop-Gasbehälter der Kokerei Buda Marly
(Carcoke) in Brüssel, Belgien.
Foto: Harald Finster
Schrauben-Gasbehälter
Der Schrauben-Gasbehälter ist eine Weiterentwicklung des Teleskop-Gasbehälters.
Er besteht ebenfalls aus einem oder mehreren Glockenteilen und ist durch
Wasser abgedichtet, doch hat er kein äußeres Führungsgerüst.
Seine Hubteile bewegen sich über spiralig an den Mantelflächen
der Glockenteile angebrachten Führungsschienen an Rollen schraubenförmig
aufwärts und abwärts. Im leeren Zustand wird ein Schrauben-Gasbehälter,
wenn nicht eine oberirdische Einfassung des Wasserbassins vorhanden ist,
völlig unsichtbar.
Schrauben-Gasometer aus Scunthorpe in Großbritannien
Foto: Harald Finster
Scheiben-Gasbehälter
Die äußere Form des Scheiben-Gasbehälters bleibt immer
unverändert. Er besteht aus einem runden oder polygonalen Zylinder,
der unten und oben fest verschlossen ist. Durch eine die horizontale Schnittebene
des Zylinders verschließende Scheibe, die sich auf dem eingeführten
Gas schwimmend vertikal hebt und senkt wird die notwendige Volumenanpassung
erreicht. Die Scheibe gleitet im Inneren des Hohlkörpers entlang.
Das techinsche Problem besteht darin, diese große, bewegliche Scheibe
gegen die feststehende Behälterwand gasdicht abzuschließen.
Zu diesem Zweck ist die Scheibe an ihrem äußeren Rand mit elastischen,
messerscharfen Gleiteisen aus Stahl versehen und mit einer Ledermanschette
ummantelt, die durch zahlreiche Andruckelemente an die Behälterwand
gepresst wird. Dichtung und Gleitfähigkeit des Scheibenrandes im Zylinder
werden wie bei einer Fahrrad Luftpumpe durch Öl bewirkt. Ein Ölbad,
das in eine Rinne - die sogenannte Scheibentasse - um den Scheibenrand
gelegt ist, durchtränkt die Ledermanschette permanent, stellt so deren
Gleitfähigkeit an der Behälterwand sicher und dichtet sie gleichzeitig
ab. Das außer dem kuntinuierlich an der Innenwand des Zylinders herunterrinnende
Öl bildet auf der gesamten Zylinderwand einen Ölfilm, der neben
Abdichtung und Gleitfähigkeit auch Frost- und Korrosionsschutz gewährleistet.
Das Öl wird am unteren Rand des Zylinders in einer Rinne gesammelt
und wieder nach oben gepumpt.
Im Gegensatz zu Teleskop- und Schrauben-Gasometer, die wegen der Verwendung
von Wasser als Dichtungsmittel als "nasse" Gasbehälter bezeichnet
werden, nennt man die mit Öl als Dichtungsmittel arbeitende Scheiben-Gasbehälter
"trockene" Gasbehälter.
Alle drei Typen sind ihrem Wesen nach Niederdruck-Gasbehälter, deren
Gasdruck aus dem Eigengewicht von Glocke oder Scheibe resultiert, das noch
durch Gewichte erhöht wird.
Scheiben-Gasometer aus Dortmund Hoerde in Deutschland
(abgerissen)
Foto: Harald Finster
Kugel-Gasbehälter
Informationen folgen.
Besonderer Dank ergeht an Harald Finster, der für diesen
Artikel die Fotografien zur Verfügung gestellt hat. Mehr Industriefotografie
gibt es auf www.hfinster.de