Die Gasometer erzählen als Industriedenkmal bereits
eine lange Geschichte. Sie waren fast 100 Jahre in Betrieb, bevor sie zu
dem wurden, was sie heute sind.
Ab 1818 begann man in Wien mit Experimenten für die Beleuchtung
von Straßen mit Gas, welches aus Kohle gewonnen wurde. Bereits
im 17. Jahrhundert entdeckte man das Verfahren, wie man aus Kohle brennbare
Gase gewinnen konnte. Jedoch dauerte es noch bis 1792, als in England
der Erfinder Mordoch damit auch eine brauchbare Beleuchtung realisieren
konnte. Anfänglich erfolgte die Beleuchtung mit Stadtgas nur im
kleinen Rahmen mit mehreren über das Stadtgebiet verstreute Gaswerke,
die vorerst von Privaten wie Apothekern und der Technischen Hochschule
(heute TU) betrieben wurden. Sie leisteten die eigentliche Pionierarbeit
bei der Gasbeleuchtung.
Als sich das Gas als Straßenbeleuchtung einen Namen machte,
waren bereits mehrere Firmen wie die Österreichische Gasbeleuchtungsgesellschaft
im Spiel, die durch die vorerst privaten Projekte gegründet wurden.
Im Jahre 1842 stieg die englische Inter-Continental-Gas-Association
(ICGA) in das Wiener Gasgeschäft ein und kaufte alle einzelnen
kleine Gaswerke und wurde somit marktbeherrschend. Das führte dazu,
dass sie den Preis bestimmte und infolge dessen die Gemeinde Wien mit
jener Situation nicht zufrieden war.
Mit dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger begann eine Kommunalisierung
ganzer städtischer Versorgungs- und Infrastrukturbetriebe - so
auch der Gasbeleuchtung und Gaserzeugung. Dies verhalf einerseits der
Gemeinde Wien zu günstigen Gaspreisen für die Straßen-Beleuchtung
und schaffte gleichzeitig die Basis für eine breite Gasversorgung
der Haushalte, für die das Gas in leistbare Preise rutschte.
Der Gemeinderat richtete eine eigene Kommission zur Errichtung eines
kommunalen Gaswerkes ein. Theodor Hermann erarbeitete einen Entwurf
für ein Großgaswerk mit einer Tageskapazität von 432.000
Kubikmetern Gas.
1896 erfolgte nach langen Debatten die Genehmigung des Planes durch
den Gemeinderat. Franz Kapaun vom Stadtbauamt übernahm die Leitung
des Baues.
In kürzester Zeit wurden 47 Millionen Ziegel und 67 Tonnen Material
für das Rohrnetz angeschafft. Am 28. Dezember 1896 erfolgte Spatenstich
der Gasometer. In nur 72 Tagen Rekordzeit wurden die Gasometer gebaut.
Bereits im Juli 1899 waren alle vier Behälter einsatzbereit und
am 31. Oktober 1899 fand die feierliche Eröffnung statt.
Am 31. Oktober 1899 strömte zum ersten Mal Gas aus dem Simmeringer
Gaswerk in die 700 kilometerlangen Rohrleitungen.
Das Gaswerk war für eine tägliche Gaserzeugung von 432.000
m3 ausgerichtet. Der Gasverbrauch der Wiener nahm allerdings
bald nach Fertigstellung der Behälter sprunghaft zu, sodass die
Werksanlage stetig erweitert werden musste.
Im Jahre 1985 wurden die Gasometer stillgelegt, nachdem zwischen 1969
und 1978 die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas stattfand. Gleichzeitig
stellte man die Gasometer unter Denkmalschutz. Es folgte eine Zeit der
Stille in den Gasometern. Die großen leeren Hallen wurden nur
zeitweise für Ausstellungen und ab 1992 für Techno-Parties
wie Raves und Filmdreharbeiten (James Bond) genutzt.
Da diese kurzzeitigen Nutzungen die Gasometer weder auslasteten noch
einen langfristigen kostendeckenden Betrieb ermöglichte, entschloss
man sich andere Nutzungsvarianten zu suchen.
Im November 1996 wurden die vier Gasometer an drei Wohnbaugesellschaften
(Gesiba, GPA und SEG) verkauft, um sie mit einem Nutzungsmix aus Wohnen,
Arbeiten und Entertainment zu füllen.
Auslöser für die Nutzungsüberlegungen war die Erschließung
der Gasometer durch die U-Bahnlinie 3, die Ende 2000 ihren Betrieb aufnahm.
Von Februar 1999 bis August 2001 wurde an den Gasometern umfangreich
gebaut. Es erfolgte die Revitalisierung durch die vier Architekten Jean
Nouvel (Gasometer A), Coop Himmelb(l)au (Gasometer B), Manfred Wehdorn
(Gasometer C) und Wilhelm Holzbauer (Gasometer D).
Bereits im Mai 2001 zogen die ersten neuen Bewohner der Gasometer
ein und am 31. August 2001 fand in Beisein des Bürgermeisters Dr.
Michael Häupl die feierliche Eröffnung der neuen Gasometer
statt.